Am 12.11.2025 lud die Schule zur Eröffnungsveranstaltung der Ausstellung „Was konnten sie tun?“ der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin ein. Als Referent war Dr. Josef Blotz anwesend und Frau Ingrid Schaeffer-Rahtgens schickte appellierende Worte an das Publikum – leider war ihr eine Teilnahme in Präsenz gesundheitlich nicht möglich. Zudem war Herr Rudolf Smend im Publikum und stand als Ansprechpartner für den militärischen Widerstand gegen den NS zur Verfügung.
Der diesjährige Schwerpunkt der Eröffnungsveranstaltung lag auf der Erinnerungskultur des Widerstands – passend zur Ausstellung, die auch so eingeordnet werden kann. Herr Blotz nahm das Publikum mit auf eine spannende Reise in den Bereich der Denkmäler, deren Vielfältigkeit er hervorhob und deren Veränderung durch die Jahrzehnte er darstellte. So ist gleichermaßen auffällig wie einleuchtend, dass erst mit Ende der 1970er/Beginn der 1980er Jahre eine wahre Denkmalflut einsetzt. Dies passt auch zu den Erfahrungen, die Rudolf Smends Bruder als Pennäler machte: Sein Lehrer fand die schlechten Schulnoten selbstverständlich, schließlich sei er ja ein Verräterkind – eine Denkweise, unter der viele Kinder von Widerstandskämpf:erinnen gegen den NS litten – besonders die Kinder der Attentäter und Mitwissenden des 20. Juli 1944. Zu diesen Kindern gehört auch Frau Schaeffer-Rahtgens, die in ihrem Brief nur kurz ihren Vater und seine Haltung schilderte und dies zu einem späteren Zeitpunkt für die MEG noch einmal ausführlicher tun wird. Ihr war dennoch wichtig, an die Jugend zu appellieren, Verstand und Meinungsfreiheit als Werte anzuerkennen und zu nutzen.

Herr Blotz selbst hat keinen unmittelbaren Bezug zum 20. Juli 1944, wuchs er aber doch in Hadamar auf, einer Stadt, in deren Heilanstalt für behinderte Menschen oben auf dem Berg für alle weithin sichtbar immer wieder Rauchsäulen aufstiegen – Rauchsäulen des dort angegliederten Krematoriums, in dem die Euthanasie-Opfer der „Heilanstalt“ verbrannt wurden. Oftmals hörte er als Kind auf Nachfrage, warum niemand etwas gemacht habe: „Was hätte ich den tun können?“
Genau dies ist der Titel der Ausstellung, die 24 Lebensläufe und ihre Tat gegen den NS darstellt. So bekommt der Widerstand ein Gesicht und es ist offensichtlich, dass es Menschen gab, die – mit ganz unterschiedlichen Taten – sich gegen den NS stellten. Dennoch weist Herr Blotz darauf hin, dass wir aus heutige Sicht nicht leichtfertig über ein Nichts-Tun urteilen dürfen und können.
Der Referent arbeitete im Rahmen seiner Dissertation zu den Denkmälern des Widerstands und schilderte, dass eine Antwort auf jeden Fall offen geblieben sei – er fragte das Publikum nach Antwortideen auf die Frage: Warum gibt es eine so hohe Dichte an Denkmälern in Bayern und Baden-Württemberg? Abschließend bezog Herr Blotz vor allen Dingen die Schül:erinnen im Publikum mit ein, indem er ihnen potenzielle Facharbeitsthemen nannte, die sich aus seiner Arbeit ergeben.
Der klare Apell Blotz´ ist jedoch: ein Denkmal hat nur dann Wirkkraft – unabhängig von seiner Ausgestaltung – wenn es gelebt und mit ihm gearbeitet und interagiert wird. Ist es bloß da, verliert es seine Wirkkraft.
Wir danken allen Teilnehmenden für einen informativen Abend mit vielen neuen Anregungen.